Raps

Kohlhernie im Raps - Verstehen und Eindämmen

Als Kohlhernie oder auch Klumpfußkrankheit bezeichnet, befällt der Erreger junge Wurzeln von Wirtspflanzen und verursacht daraufhin die typischen Wurzeltumore. Die Folge sind durch einen gestörten Nährstoff- und Wassertransport Welke, Kümmerwuchs und Ertragsverluste bis hin zu Totalausfälle. Befallen werden vorwiegend Kreuzblütler wie Raps, Senf, sonstige Kohlarten und Wildkräuter wie Ackerhellerkraut, Rauke und Hirtentäschelkraut.

      

   

Quelle: Rapool-Kohlherniemonitoring (April 2015), Grün = Frei von Kohlhernie, Rot = Standort befallen, Gelb = Sowohl als auch.
Quelle: Rapool-Kohlherniemonitoring (April 2015), Grün = Frei von Kohlhernie, Rot = Standort befallen, Gelb = Sowohl als auch.

In Deutschland leiden bereits in fast jedem Bundesland Landwirte unter kohlherniebefallenen Flächen (siehe Karte) – Tendenz steigend. Besonders betroffen: Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern.

Hat sich die Krankheit erst einmal auf einem Schlag bemerkbar gemacht, wird sie zu einem jahrelangen Begleiter. Denn in den Wurzelwucherungen kommt es zu einer starken Vermehrung des Erregers, der durch Wurzelzerfall oder –zerstörung erneut in den Boden gelangt. Die Dauersporen haben eine Halbwertszeit von ca. 3,6 Jahren und können auch nach 20 Jahren zu einem erneuten Krankheitsausbruch führen. Damit beginnt ein beinahe endloser Kreislauf, denn ein Neubefall trägt wiederum zu einer tausendfachen Vermehrung und „Verjüngung“ der Sporen bei.

Der Kohlhernie-Vorbeugung gilt daher absolute Priorität z.B. durch Ackerhygiene, Vermeidung von Bodenverschleppung und einer regelmäßigen Bestandskontrolle.

Auf bereits befallenen Ackerflächen bringt nur eine breite Kombination verschiedener Maßnahmen Linderung. Eine „Wunderwaffe“ gegen Kohlhernie gibt es nicht. Grund ist der Erreger, der als komplexer Parasit nur schwer im Boden erreicht werden kann. Daher ist ein facettenreicher, integrierter Ansatz zur Kohlhernie-Bekämpfung ratsam und die einzige Möglichkeit die Krankheit wirksam einzudämmen (siehe Kasten).

Zu den Standardverfahren gehört u.a. der Anbau kohlhernieresistenter Sorten (z.B. MENTOR). Mischungen von resistenten und nicht resistenten Sorten bringen bei Kohlhernie langfristig keine Vorteile. Der Erreger kann sich dadurch im Feld ausbreiten und stark vermehren sowie Resistenzen schneller brechen. Diesbezüglich ist auch von einem vorsorglichen Anbau auf Nichtbefalls-Flächen abzuraten. Weitere Bekämpfungsmöglichkeit bieten spätere Aussaattermine, Kalkung und Behebung von Drainageschwachstellen. Eine weite Fruchtfolge (z.B. Raps in einer 4-jährigen Anbaurotation) mit Verzicht des Anbaus von Kreuzblütlern als Zwischenfrucht (z.B. Senf, Rübsen, Leindotter) gehören ebenso zur Krankheitseindämmung dazu, wie die Beseitigung von Ausfall- und Durchwuchsraps sowie die konsequente Bekämpfung anfälliger Unkräuter (Barbenkraut, Echtes Zackenschötchen, Hederich, Wegrauke etc.).

      

   

Typische Krankheitssymptome von Kohlhernie sind verringertes Wachstum, Welkeerscheinungen (vergilbte, rötliche Blätter), das Absterben von Pflanzen sowie die Bildung anomaler Wurzelwucherungen (Tumore, Gallen) an den Haupt- und Seitenwurzeln. Kohlhernie tritt meist nesterweise auf und wird bei Starkbefall im Herbst spätestens durch die typischen Fehlstellen im Feld sichtbar.

Autor: Dania Bornhöft (M.sc. Agrar.), Produktmanagement Rapool

      

   

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